Portrait des Monats

April:

Wenn ein Name den Nagel auf den Kopf trifft, dann dieser:

Neunblättrige Zahnwurz

3 Blätter mit je 3 Fiedern ergeben in Summe 9. Und wenn man sich die Wurzel ansieht: Wenn die nicht nach Zahn aussieht! Der frühere lateinische Name Dentaria enneaphyllos nahm darauf ebenfalls Bezug (lat: dens = Zahn, enneaphyllos = neunblättrig). Kein Wunder, dass man ihr in füheren Zeiten zutraute, Zahnschmerzen zu vertreiben.

Die Blüte ist vierzählig, ein Hinweis auf ihre Zugehörigkeit zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Neuerdings wurde die Art dem Tribus der Schaumkräuter zugeordnet, daher ist ihre aktuelle Bezeichnung Cardamine enneaphyllos.

Aus den Blüten entwickeln sich lang ausgezogene Schoten:

März:

Darf ich vorstellen: Helleborus foetidus, besser bekannt als Stinkende Nieswurz. Sie gehört wie ihre Schwester, die Schneerose, zur Familie der Hahnenfußgewächse. Wie es sich für ein richtiges Hahnenfußgewächs gehört, ist sie eben giftig. Und – der Name deutet es an – sie stinkt!

Was sie für mich so interessant macht: Die Stinkende Nieswurz ist ein Lehrbeispiel für die Evolution der Blüte. Sie zeigt in eindrucksvoller Weise den Übergang von Laubblättern zu Blütenblättern:

Das ist ein basales Überwinterungsblatt mit einer Besonderheit: Der Mittelnerv wächst nicht in die Länge sondern in die Breite. Der Blattstiel ist schmal. Er verbreitert sich aber, je weiter oben das Blatt an der Staude steht.

Schließlich ist der Blattstiel selbst zu einem Blatt geworden, an dem die verkümmerten Blattfiedern abstehen wie Indianerfedern. Gleich darüber: Aus den Laubblättern sind Hochblätter geworden, sie schützen und stützen die Blüten.

Die Blüten selbst sind in Form und Farbe alles andere als auffällig! Haben sie sich doch im Laufe der Evolution aus Laubblättern entwickelt!

Nächste Überraschung: Die Kechblätter bilden die eigentliche Blütenhülle, denn die Kronblätter ihrerseits sind zu kleinen Tüten – im Bild gut zu erkennen – umgebildet, in denen Nektar produziert wird.

Die Blüten sind vorweiblich („proterogyn“), d.h. die Griffel reifen vor den Staubgefäßen. Dadurch wird Selbstbestäubung erschwert.

Die Blüte funktioniert wie ein Salzstreuer: Die Staubbeutel in der hängenden Blütenglocke öffnen sich nach unten. Sobald ein Bestäuberinsekt nach Nektar zu suchen beginnt, wird es von oben mit Pollen eingepudert.

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