Portrait des Monats

Juni: Großes Zweiblatt (Listera ovata)

Als Blume des Monats habe ich mich dieses Mal für das Große Zweiblatt entschieden. Obwohl es bis zu einem halben Meter hoch werden kann, zählt es zu den unscheinbarsten heimischen Orchideen.

Lichte Laub- und Auwälder mit Unterwuchs sind der bevorzugte Standort, allerdings kann man es manchmal auch auf Wiesen, Niedermooren und sogar in Magerrasen antreffen. Blütezeit ist von Mai bis Juli, die Hochblüte fällt somit in den Juni.

Zwei Exemplare mit Blütenknospen

Seinen deutschen Namen verdankt es den beiden gegenständigen, eiförmigen Blättern. Der lateinische Gattungsname ehrt den englischen Arzt und Botaniker Martin Lister (1638-1711), „ovatus“ leitet sich von „ovum“ (lat: Ei) ab.

Klebrige Drüsenhaare am Blütenstiel wehren unerwünschte Gäste ab.

Bis zu 40 Blüten kann man am steil aufragenden Schaft zählen. Auch wenn das Große Zweiblatt für uns Zweibeiner ein ausgesprochenes „Schattendasein“ führt, für Schlupfwespen & Co ist es attraktiv.

Am Lippengrund wird Nektar abgesondert, der in der Mitte der Lippe in einer Rinne nach unten sickert. Die Unterlippe selbst dient als Landebahn.

Die Schlupfwespe „schlürft“ sich dann nach oben, bis sie schließlich das Rostellum berührt. Augenblicklich quillt aus diesem ein „Leimtropfen“ hervor, der die Pollinien am Kopf der Besucherin befestigt. Da die Pollinien oberhalb des Rostellums liegen, die Narbe aber deutlich darunter, ist Selbstbestäubung (Autogamie) kaum möglich, eher schon Nachbarbestäubung (Geitogamie). Gefragt ist aber ohnehin Fremdbestäubung (Allogamie), wenn die Wespe die Pollenpakete an einer Narbe eines „fremden“ Zweiblattes deponiert.    

Aus den Fruchtknoten entwickeln sich Kapseln, die Tausende winzige Samen entalten, die vom Wind verbreitet werden.

Mai: Maiglöckchen (Convallaria majalis)

Das lateinische Wort „convalla“ bedeutet „Talkessel“, majalis bezieht sich sowohl auf die Erdgöttin Maja wie auch auf den Blühtermin im Mai. Im Englischen wird das Maiglöckchen liebevoll „Lily of the Valley“ genannt.

Im dichten „Blätterwald“ müssen die Blütentrauben jede freie Lücke nützen um aufzufallen, ihr wirksames Lockmittel aber ist ohnehin der betörend süßliche Duft, den sie verströmen. Bei dem Parfum handelt es sich um den aromatischen Kohlenwasserstoff Bourgeonal.

Interessantes Detail am Rande: Bourgeonal wirkt auf menschliche Spermien ähnlich stimulierend wie das Hormon Progesteron.

Aus jeweils einem Trieb mit zwei parallelnervigen Blättern entspringt eine Traube mit etwa einem Dutzend schneeweißer Blüten, deren Perigonblätter zu einer Glocke verwachsen sind. So ist das Innere der Blüte vor Regen und Nässe geschützt.

Als Liliengewächs ist die Blüte nach der Zahl 6 aufgebaut. Die Staubbeutel bilden einen so genannten Streukegel und öffnen sich seitlich. Bei Erschütterungen rieselt Pollen auf die Besucher hearb. Es gibt zwar keine Nektardrüsen, aber die karminroten Farbmale signalisieren, dass ein „Saftgewebe“ zum Anstechen den Besuch lohnt. Es liegt Vormännigkeit (Protanderie) vor, das heißt, erst wenn die Staubbeutel entleert sind, wird die Narbe belegfähig.

Anmut und verführerischer Duft dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Maiglöckchen in allen Teilen giftig ist, besonders Blüten und Früchte – erbsengroße, knallrote Beeren. Der Hauptwirkstoff, das Convallatoxin, ist ein Herzglycosid und führt bei einer Überdosis zu lebensbedrohendem Kammerflimmern. Gegenüber dem Digitalin des Fingerhutes weisen Convallaria-Präparate bei der Behandlung von Herzinsuffizienz (allgemeine Herzschwäche) einen Vorteil auf: die Wirkstoffe werden im Körper vollständig abgebaut. Vergiftungsgefahr besteht vor allem wegen der Verwechslung das Maiglöckchens mit dem Bärlauch (Allium ursinum), Abb. u.

Unterscheidungsmerkmal: Die Blätter des Bärlauchs riechen beim Zerreiben deutlich nach Knoblauch.

April: Scharbockskraut (Ficaria verna)

Zeitig im Frühjahr ist es zur Stelle: das Scharbockskraut. Solange es nicht blüht, kann man die Blätter in Maßen bedenkenlos als Salatbeigabe nützen, danach ist es wegen der Anreicherung von Protoanemonin nicht mehr ratsam. Die Bezeichnung Scharbock leitet sich von der Skorbut ab, einer Vitamin-Mangelerkrankung. Die Blätter enthalten nämlich Vitamin C und wurden wohl als Gegenmittel verzehrt.

Wegen seiner glänzenden Blütensterne nennt man das Scharbockskraut in der Schweiz auch Glitzerli. Für die Blütenfarbe sind Carotine verantwortlich.

Der innere Blütenbereich reflektiert kein UV-Licht und dient den Bestäubern als Wegweiser zum Nektar.

Als Speicherorgane dienen Wurzelknollen, die aussehen wie kleine Feigen, darauf bezieht sich der lateinische Gattunsname Ficaria (ficus = Feige) wie auch der andere deutsche Name Feigwurz. Die gespeicherte Stärke kann mit Jod unter Blaufärbung nachgewiesen werden (s.u.).

Man unterscheidet zwei Unterarten: Während die südeuropäische Art dioploid (=doppelter Chromosomensatz) vorliegt und sich über Samen verbreitet, geht die mitteleuropäische, tetraploide (=vierfach) Sippe einen anderen Weg: Sie produziert in den Blattachseln Brutknöllchen ( so genannte Bulbillen), die später abfallen und als Klone zu neuen Pflanzen heranwachsen.

In der Regel findet man pro Blattschsel eine Bulbille. Hier sind es zwei, die aus Platzmangel die Blattscheide gesprengt haben.

März: Kornelkirsche (Cornus mas)

Noch vor einem Monat waren an der Kornelkirsche lediglich die winterharten Knospen zu beobachten, jetzt – Anfang März summt es schon ordentlich im Baum, denn die geöffneten Blütenbüschel locken meine Bienen zuhauf an.

Der deutsche Büchername ist Gelber Hartriegel. Der lateinische Name könnte mit „männlicher Hornstrauch“ übersetzt werden, ein Hinweis auf die Beschaffenheit des Holzes. Es ist das härteste Holz, das in Europa wächst. Der nächste Verwandte ist der Rote Hartriegel. Weil sein Holz aber weicher ist, galt er als „weiblich“, während die Kornelkirsche eben den Beinamen „mas“ (lat.: männlich) erhielt. Alexander der Große verwendete im Kampf gegen die Perser übrigens Lanzen aus Dirndlholz – und siegte!

Die kleinen, unscheinbaren Blüten sind vierzählig, und bieten den summenden Besuchern nach den langen Winterwochen als eine der ersten Frühlingsboten Pollen und Nektar an.

Im Herbst sind es dann andere Besucher, die zu Tische geladen werden. Das niederösterreichische Pielachtal ist berühmt für seinen Reichtum an Kornelkirschen, im „Dirndltal“ zählt man an die 11.000 Sträucher! Alles Mögliche wird aus ihnen zubereitet: Marmelade, Saft, Wein, Likör, Schnaps bis hin zu den „Pielachtaler Oliven“.

So richtig genießbar werden die Dirndln aber erst nach den ersten Frostnächten!

Februar: Zaubernuss (Hamamelis x intermedia)

Die Zaubernuss fühlt sich als Zierstrauch in unseren Gärten wohl und öffnet oft schon im Winter ihre Blüten. Das X im lateinischen Namen zeigt an, dass es sich um eine Zuchtform, also einen Hybriden handelt.

Es gibt eine Reihe von Zuchtsorten, die Farbpalette der Kronblätter reicht von hellgelb bis karminrot.

Die Blüten sind vierzählig, die Kelchblätter sind eiförmig-rund, die Kronblätter bandförmig. Neben den vier deutlich sichtbaren Staubblättern gibt es noch vier weitere, die aber klein und unscheinbar sind und Nektar produzieren. Sie werden als Staminodien bezeichnet.

Den Sommer über reifen trockenschalige Kapselfrüchte heran, die beim Aufspringen je 2 Samen freisetzen (siehe unten). Im Herbst hat die Zaubernuss ihren zweiten Auftritt, wenn die Blattfärbung einsetzt.

Jänner: Stechpalme (Ilex aquifolium)

Knallrot leuchten die Beeren aus dem wintergrünen Laub der Stechpalme. Die Farbe dient in zweierlei Weise der Warnung. Lass mich in Ruhe, sonst stech ich dich! Und außerdem: Alles an mir ist giftig, also Hände weg von mir!

Dem aufmerksamen Beobachter allerdings entgeht nicht, dass die Laubblätter ab einer gewissen Höhe keine wehrhaften Dornen mehr tragen. Das leuchtet ein, denn dahin gelangen keine Fressfeinde mehr. Man nennt diese Zweigestaltigkeit der Blätter Heterophyllie.

So auffallend die Beeren sind, die Blüten werden meist übersehen.

Selbst das skelettierte Blatt greift man besser nicht an. Kein Wunder, dass sich in kriegerischen Zeiten die Leute früher in „Stechlaubwäldern“ in Sicherheit gebracht haben. Hast du gewusst, dass Hollywood seinen Namen der Stechpalme verdankt? Der Angloamerikaner nennt die Stechpalme nämlich „holly“.

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